Wenn Landmaschinen endlich dieselbe Sprache sprechen

AgIN verbindet Maschinen- und Betriebsdaten über offene Standards und schafft eine neue Grundlage für effiziente, nachhaltige Landwirtschaft – unabhängig von Herstellern und Insellösungen.

AgIN-Monitor: Wie Jonas Becker seine Felder neu denkt

Ein Arbeitstag in der modernen Agrarwirtschaft

Wer heute durch den Landkreis fährt, in dem Jonas Becker seine Felder bewirtschaftet, sieht moderne Landwirtschaft in Aktion: intelligente Mähdrescher, vernetzte Traktoren, smarte Bewässerungsanlagen. Doch hinter diesem technologischen Fortschritt verbarg sich für den Landwirt lange Zeit ein grundlegendes Problem: Jede Maschine sprach eine andere digitale Sprache. Fünf verschiedene Plattformen, drei Hersteller, unzählige Datenquellen – und Jonas mittendrin im Koordinationschaos. 

Mit dem AEF-Datenraum AgIN (Agricultural Interoperability Network) beginnt für ihn eine neue Ära. Der Fokus verlagert sich: Nicht die Verwaltung einzelner Maschinen bestimmt seinen Arbeitsalltag, sondern die ganzheitliche Sicht auf seine Felder und Ressourcen. 

Von der Insellösung zum Datenchaos 

Vor AgIN bestand Jonas' Arbeitstag vor allem aus manueller Koordination. Er bereitete Arbeitsaufträge für seine Mähdrescher, Traktoren und Erntemaschinen jeweils in ihrer eigenen Herstellerplattform vor oder rief Maschinendaten ab. Manchmal musste er auch Work Records manuell aus einer Plattform ziehen und in eine andere übertragen – eine zeitaufwendige und fehleranfällige Routine. Die Dokumentation für behördliche Anforderungen war noch aufwendiger: Welche Flächenanteile wurden bearbeitet? Welche Mengen an Betriebsmitteln wurden eingesetzt? Alles musste manuell erfasst werden. 

Das Kernproblem war klar: Die verschiedenen Plattformen konnten nicht miteinander sprechen. Jonas Becker war gefangen zwischen proprietären Systemen, was zu Datensilos und massiven Koordinationsaufwänden führte. 

Der Durchbruch: Echte Interoperabilität durch AgIN 

Mit AgIN wird erstmals möglich, was zuvor undenkbar war: die herstellerübergreifende Interoperabilität auf Plattformebene. Eine einheitliche Schnittstelle, die Experten sprechen von einem Common Connector, der dafür sorgt, dass jede Plattform denselben Standard spricht. 

AgIN ist ein Projekt der Agricultural Industry Electronics Foundation (AEF), einer Organisation, die Interoperabilität in der Landwirtschaft weltweit fördert und mit dem ISOBUS (ISO11783) bereits einen etablierten Standard maßgeblich entwickelt hat. Die AEF entwickelt Guidelines, die verschiedenen Akteuren – von Herstellern bis zu Betriebsleitern – ermöglichen, effizient zusammenzuarbeiten und technische Barrieren abzubauen. 

AgIN ist als Datenraum Teil des Common European Agricultural Data Spaces (CEADS), einem strategischen Rahmen der Europäischen Kommission. CEADS ermöglicht verschiedenen Wirtschaftssektoren, ihre Daten unter standardisierten und vertrauenswürdigen Bedingungen auszutauschen – bei gleichzeitiger Wahrung europäischer Werte wie Datensouveränität und Datenschutz. 

Für Jonas bedeutet das konkret: GPS-Daten, Tankfüllstände und Verbrauchsinformationen liegen in standardisiertem Format vor. Er entscheidet frei, welche Plattform er nutzt, denn die Daten sind jetzt interoperabel verfügbar. Maschinen, die er besitzt oder mietet, werden über standardisierte Schnittstellen abrufbar. 

Was sich im Alltag verändert hat 

Der größte Unterschied zeigt sich dabei in Jonas' täglicher Arbeit. Statt zwischen fünf Plattformen zu jonglieren, arbeitet er nur mit der Plattform seiner Wahl und harmonisierten Daten bezogen auf Anwendungsfälle. Seine Entscheidungen basieren auf konsolidierten, zuverlässigen Informationen aus allen seinen Systemen. Dokumentationen für behördliche Anforderungen werden teilweise automatisiert erfasst – zuverlässig, nachvollziehbar und zeitnah verfügbar. 

Materna: Die technische Kraft dahinter 

Ohne Materna wäre diese Transformation nicht möglich, denn Materna hat als zentraler Entwicklungspartner der AEF den Common Connector entwickelt – jene kritische technische Komponente also, die Plattformen erstmals herstellerübergreifend kommunizieren lässt. Materna hat eine dezentralisierte Architektur geschaffen, die jedem Netzwerk-Teilnehmer ermöglicht, unabhängig und souverän über die eigenen Daten zu verfügen. Dadurch sind Landwirte, Hersteller und Service-Provider nicht von einer zentralen Plattform abhängig, sondern behalten echte Kontrolle über ihre Daten. 

Durch Maternas Engagement ist AgIN heute eine funktionsfähige, produktionsreife Lösung, die bereits praktische Mehrwerte liefert. 

Für Jonas Becker bedeutet das, dass er endlich das bewirtschaftet, was wirklich zählt: seine Zukunft. Interoperable Daten und offene Standards ermöglichen Smart Farming pragmatischer und nachhaltig. 

 

Materna und PLAIN: zertifizierter Umsetzungspartner 

Materna ist im PLAIN-Ökosystem als zertifizierter Dienstleister gelistet und unterstützt Bedarfsträger dabei, ihre Daten- und KI-Vorhaben auf PLAIN zu realisieren – von der Konkretisierung des Use Cases über den Aufbau von Datenpipelines bis zur Umsetzung eines nutzbaren Datenprodukts. „Maternas Stärke liegt in Beratung, Integration und Delivery auf der bereitgestellten Managed-Service-Infrastruktur. Wir stellen auch gerne einen Demo-Zugang im Ökosystem bereit“, sagt Dr. Marco Kremer. 

  • Einstieg und Orientierung: Potenzialanalyse, Use-Case-Workshop und Auswahl der passenden Plattformbausteine. 

  • Umsetzung: Datenanbindung, Pipeline-Engineering, Analytics/Visualisierung und KI-Integration – mit Fokus auf ein konkretes Datenprodukt. 

  • Skalierung und Verstetigung: Übergabe in Organisation bzw. Datenlabore, Governance sowie Unterstützung bei Wiederverwendungsansätzen 

Was heißt das für Bedarfsträger? 

Wer ein Datenlabor aufbaut oder Daten- und KI-Initiativen aus der Konzeptphase in die Umsetzung bringen will, findet in PLAIN eine attraktive Basis: Die Plattform nimmt viel Infrastruktur- und Integrationsarbeit ab, ist für die Verarbeitung von eingestuften Daten ausgelegt und beschleunigt den Weg zum produktiven Ergebnis. Materna unterstützt dabei, geeignete Use Cases zu priorisieren, den Pilot sauber aufzusetzen und die Lösung so zu bauen, dass sie in der Linie weiterbetrieben und skaliert werden kann. 

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