Schneller und sicherer zum Einsatzort

Mit SAFEPol startet ein Forschungsprojekt, das Einsatzfahrten von Polizei und Rettungsdienst mit Hilfe von KI, Echtzeitdaten und intelligenter Verkehrssteuerung sicherer und schneller machen will.

Mehr Sicherheit bei Blaulichteinsätzen

Wie SAFEPol den Straßenverkehr intelligenter macht

Wenn jede Sekunde zählt, darf Sicherheit keine Nebensache sein. Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn im dichten Stadtverkehr stellen Einsatzkräfte täglich vor große Herausforderungen. Mit dem Forschungsprojekt SAFEPol wird genau hier angesetzt: Gemeinsam mit Partnern aus Polizei, Wissenschaft und Verwaltung entwickelt TraffGo Road, ein Tochterunternehmen von Materna, technologische Lösungen, die Einsatzfahrten intelligenter, sicherer und vorausschauender machen sollen. Im Fokus stehen dabei vernetzte Fahrzeuge, lernende Systeme und Ampeln, die mitdenken. 

SAFEPol: Sicherheit durch intelligente Vernetzung 

SAFEPol ist ein öffentlich gefördertes Forschungsprojekt, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Sonderrechtsfahrten der Polizei im urbanen Verkehr sicherer und effizienter gestaltet werden können. Der zentrale Ansatz: Einsatzfahrzeuge sollen Kreuzungen möglichst nicht mehr bei Rot passieren müssen, sondern bevorzugt „Grün“ erhalten. Damit verfolgt SAFEPol ein klares Ziel: die Erhöhung der Verkehrssicherheit bei Blaulichteinsätzen und die gleichzeitige Entlastung der Einsatzkräfte in hochstressigen Situationen. 

Neue Wege im Blaulicht-Routing 

Während klassische Blaulicht-Routings häufig für Feuerwehren optimiert sind – mit festen Startpunkten und bekannten Einsatzorten –, ist die Ausgangslage bei der Polizei deutlich komplexer. Einsatzfahrzeuge befinden sich oft „mitten im Feld“ und müssen spontan die beste Route zum Einsatzort finden. 

SAFEPol kombiniert deshalb zwei innovative Ansätze: ein dynamisches, datenbasiertes Routing und eine intelligente Steuerung von Lichtsignalanlagen entlang der gewählten Strecke. Ziel ist es, Einsatzfahrzeuge möglichst durchgehend über grüne Ampeln zu führen und so gefährliche Verkehrssituationen zu vermeiden. 

C-ITS: Wenn Fahrzeuge mit Infrastruktur sprechen 

Technologische Grundlage von SAFEPol ist die sogenannte C-ITS-Technologie (Cooperative Intelligent Transport Systems) – ein zentraler Anwendungsfall der V2X-Kommunikation (Vehicle-to-Everything-Kommunikation). Dabei kommunizieren Fahrzeuge und Verkehrsinfrastruktur direkt miteinander, etwa über Onboard Units im Fahrzeug und sogenannte Roadside Units an Ampeln. 

Solche kooperativen Systeme sind bereits aus anderen Anwendungsfällen bekannt, etwa aus der Busbevorrechtigung im öffentlichen Nahverkehr oder aus Warnsystemen auf Autobahnen. SAFEPol nutzt diese Technologie, um Einsatzfahrten vorausschauend zu unterstützen: Ampeln werden frühzeitig angepasst, Verkehrsströme gezielt gelenkt und Staus im Idealfall bereits vor Eintreffen des Einsatzfahrzeugs aufgelöst. 

Künstliche Intelligenz als lernendes System 

Auch Künstliche Intelligenz spielt im Projekt eine zentrale Rolle – allerdings nicht als Selbstzweck, sondern als lernendes Optimierungsinstrument. Die KI wertet Verkehrsdaten aus, analysiert erfolgreiche und weniger erfolgreiche Routenstrategien und verbessert das Routing kontinuierlich. 

Dabei geht es nicht um spektakuläre Sprachmodelle, sondern um datengetriebene Intelligenz: die intelligente Auswertung von Verkehrsdaten zur Optimierung von Routen und Schaltstrategien. Für die Projektpartner ist das ein konsequenter Einsatz von KI, der bereits seit Jahren in ähnlichen Kontexten Anwendung findet. 

TraffGo Road und Materna: Integration als Schlüssel 

Eine zentrale Rolle im Projekt übernimmt TraffGo Road, ein Tochterunternehmen der Materna-Gruppe. TraffGo Road stellt im Projekt das Backend zur Verarbeitung der C-ITS-Meldungen bereit und fungiert als Systemintegrator für die beteiligten Partner. Dazu zählen unter anderem das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen, die Deutsche Hochschule der Polizei, wissenschaftliche Einrichtungen sowie weitere Technologiepartner. 

Gerade diese Integrationsleistung ist entscheidend: SAFEPol lebt vom Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft und von einer technischen Plattform, die diese Zusammenarbeit ermöglicht. 

Testfeld Oberhausen: Forschung wird Praxis 

Aktuell wird SAFEPol gemeinsam mit der Stadt Oberhausen erprobt. Die Kommune verfügt über ein modernes Netz intelligenter Lichtsignalanlagen, das flexibel auf Verkehrssituationen reagieren kann – eine zentrale Voraussetzung für das Projekt. In einem realen Testfeld werden Übungsfahrten durchgeführt, um das Zusammenspiel von Routing, KI-gestützter Analyse und Ampelsteuerung unter Praxisbedingungen zu testen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend ausgewertet und für eine mögliche Ausweitung auf weitere Städte nutzbar gemacht werden. 

Perspektiven über SAFEPol hinaus 

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sind nicht auf Oberhausen beschränkt. SAFEPol ist Teil des Förderprogramms „NeueWege.IN.NRW“ und richtet sich ausdrücklich an Kommunen im gesamten Bundesland. Gespräche mit weiteren Städten laufen bereits. 

Darüber hinaus sind die eingesetzten Technologien auch für andere Anwendungsfälle relevant, etwa für Rettungsdienste, kritische Infrastrukturen oder perspektivisch auch für Schwerlast- und Sondertransporte. SAFEPol zeigt damit exemplarisch, wie Forschung, Praxis und Digitalisierung zusammenwirken können, um reale gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. 

Fazit: Innovation mit Verantwortung 

SAFEPol steht beispielhaft für eine Form von Innovation, die nicht abstrakt bleibt, sondern konkrete Wirkung entfaltet. Durch intelligente Vernetzung, datenbasierte Entscheidungen und enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Partnern entsteht eine Lösung, die Sicherheit im Straßenverkehr messbar verbessern kann. 

Für Materna und TraffGo Road ist das Projekt ein weiteres Beispiel dafür, wie technologische Kompetenz, Systemintegration und gesellschaftliche Verantwortung zusammenfinden und wie Digitalisierung dort ansetzt, wo sie wirklich gebraucht wird.

„Ziel von SAFEPol ist es, Blaulichteinsätze sicherer zu machen – nicht nur für die Einsatzkräfte selbst, sondern für alle Verkehrsteilnehmende. Durch intelligentes Routing und eine vorausschauende Steuerung von Ampeln sollen gefährliche Situationen, etwa das Überfahren roter Kreuzungen, möglichst vermieden werden. Technologie wird hier gezielt eingesetzt, um Sicherheit, Effizienz und Praxistauglichkeit miteinander zu verbinden.“ 

Dr. Joachim Wahle, Geschäftsführer von TraffGo Road 

SAFEPol in Kürze

Projektname: SAFEPol 

Ziel: Erhöhung der Verkehrssicherheit bei Blaulichteinsätzen der Polizei 

Projektpartner 

TraffGo Road, SWARCO, mobaix, Ruhr-Universität Bochum, LZPD Duisburg, Stadt Oberhausen, Deutsche Hochschule für Polizei (DHPol) 

Ansatz 

  • Intelligentes Routing für Einsatzfahrten 

  • Dynamische Anpassung von Ampelschaltungen entlang der Route 

  • Nutzung kooperativer Verkehrssysteme (C-ITS) 

Technologie 

  • Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation (C-ITS) 

  • KI-gestützte Auswertung von Verkehrsdaten zur Routenoptimierung 

Rolle von TraffGo Road 

  • Backend zur Verarbeitung von C-ITS-Meldungen 

  • Systemintegration der beteiligten Projektpartner 

Status 

  • Forschungsprojekt mit realem Testfeld in Oberhausen 

  • Praxiserprobung gemeinsam mit Polizei und Kommune 

Perspektive 

  • Übertragbarkeit auf weitere Städte 

  • Potenzial für weitere Einsatzbereiche wie Rettungsdienste und kritische Infrastrukturen 

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